drANgeDACHT

KARFREITAG – 02.04.2021

 

Liebe Alle,

die Corona-Pandemie ist derzeit sehr präsent. Darum haben wir uns als Evangelische Kirchengemeinde entschlossen, unsere Gottesdienste an den Festtagen als Live-Gottesdienste zu feiern. Aber zum Schutze der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher und der Mitarbeitenden ohne Gemeindebeteiligung. Aber wir laden ein, unsere Gottesdienste zuhause zu feiern (die Texte stehen auch auf der Internetseite unter dANgeDACHT und weiter unten in dieser Mail) oder sich als “Fernsehgottesdienst” anzuschauen.

Der Stille lauschen. Kerze anzünden. Ankommen.
Manchen fällt das Leben grade leicht und es fällt vielen schwer und schwerer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts.
Sind beieinander an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.

Hier der Link zum Gottesdienst am Karfreitag: https://youtu.be/GxgeERPylA0

 

EINSTIMMUNG

Karfreitag. Der Tag der Kreuzigung Jesu. Ein ruhiger, dunkler Tag in einer unruhigen, dunklen Zeit. Wenig rührt sich. Höchstens die Natur. Und vielleicht ein wachsender Unmut über die derzeitige Situation. Ist es da eigentlich angebracht, über den Tod nachzudenken. Auch, wenn es der Tod eines anderen ist? Leid und Tod sind doch in den letzten Monaten nur allzu real gewesen.
Aber es geht um einen besonderen Tod. Am Karfreitag hören wir von einem Tod, der nicht das Ende bedeutet. Wir hören von einem Tod, der Zukunft eröffnet, uns hoffen lässt.
Wir hören von einem Sterben das sich auf Liebe und lebendige Zukunft gründet.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)
Auch in Leid und Tod ist Gottes Liebe lebendig. Über Sterben und Tod hinaus, bekommen wir einen Blick auf eine hoffnungsvolle Zukunft.

GEBET

Gott. Ich bin hier. Andere sind hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Über Raum und Zeit hinweg. Wo immer wir auch gerade sind. Wann immer wir dies teilen. Du siehst uns. Du hörst uns. Du gehst mit uns.
Gott, vieles begreifen wir nicht. Das Leiden und Sterben deines Sohnes bleiben uns ein Rätsel. Du hast es aus Liebe zu uns zugelassen, damit wir das Leben finden. Vieles, was derzeit mit uns und um uns herum geschieht, bleibt auch ein Rätsel. Lass uns die Hoffnung nicht verlieren, sondern durch deine Liebe Hoffnung finden und einen neuen Blick auf die Zukunft. Amen.

BIBLISCHE LESUNG

Auch dann, wenn wir in dieser Zeit räumlich und zeitlich getrennt sind, stehen wir in der Gemeinschaft der Glaubenden Seite an Seite. Und wenn es einen Ort und eine Ereignis für unseren Glauben gibt, dann dort, wo sich das Schicksal Jesu erfüllt. Im Kreuz sind wir als Glaubende vereint. Das Wort vom Kreuz verweist uns auf das Grab. Und die Liebe Gottes zeigt den hellen Schein, der schon jetzt leuchtet. Hören wir vom Ende der Passion Jesu, wie sie Johannes im 19. Kapitel (16-30) berichtet:
Jesus wurde abgeführt. Er trug sein Kreuz selbst aus der Stadt hinaus zu dem sogenannten Schädelplatz. Auf Hebräisch heißt der Ort Golgota. Dort wurde Jesus gekreuzigt und mit ihm noch zwei andere  – auf jeder Seite einer. Jesus hing in der Mitte. Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen. Darauf stand: »Jesus der Nazoräer, der König der Juden « Viele lasen das Schild. Denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Die Aufschrift war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache abgefasst. Die führenden Priester des jüdischen Volkes beschwerten sich bei Pilatus: »Schreibe nicht: ›Der König der Juden‹, sondern: ›Dieser Mann hat behauptet: Ich bin der König der Juden.‹« Pilatus erwiderte: »Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.« Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz genagelt hatten, teilten sie seine Kleider unter sich auf. Sie waren zu viert und jeder erhielt einen Teil. Dazu kam noch das Untergewand. Das war in einem Stück gewebt und hatte keine Naht. Die Soldaten sagten zueinander: »Das zerschneiden wir nicht! Wir lassen das Los entscheiden, wem es gehören soll.« So ging in Erfüllung, was in der Heiligen Schrift steht: »Sie verteilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.«  Genau das taten die Soldaten. Nahe bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester. Außerdem waren Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala dabei. Jesus sah seine Mutter dort stehen. Neben ihr stand der Jünger, den er besonders liebte. Da sagte Jesus zu seiner Mutter: »Frau, sieh doch! Er ist jetzt dein Sohn.« Dann sagte er zu dem Jünger: »Sieh doch! Sie ist jetzt deine Mutter.« Von dieser Stunde an nahm der Jünger sie bei sich auf. Nachdem das geschehen war, wusste Jesus, dass jetzt alles vollendet war. Damit in Erfüllung ging, was in der Heiligen Schrift stand, sagte er: »Ich bin durstig!« In der Nähe stand ein Gefäß voll Essig. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein. Dann steckten sie ihn auf einen Ysopstängel. und hielten ihn Jesus an den Mund. Nachdem Jesus etwas von dem Essig genommen hatte, sagte er: »Jetzt ist alles vollendet.« Er ließ den Kopf sinken und starb.

IMPULS

Nicht nur in diesem Jahr, oder eigentlich im letzten schon, ist der Karfreitag ein Tag, der sich nur schwer in unsere moderne Welt einpassen lässt. Nicht nur, weil wir wieder ein Problem damit haben, an diesem Tag Gottesdienst zu feiern. Nicht nur, weil die Coronapandemie uns in der Evangelischen Kirche vorsichtig sein lässt. Wir bemüht sind, die Kontaktflächen zum Virus so gering, wie möglich zu halten. Ja, das alles mag stimmen. Aber da ist noch mehr.
Als Christinnen und Christen sehen wir am Karfreitag auf die Dinge unseres Lebens, die wir eigentlich lieber ausblenden. Wir sehen auf das Leid, den Tod, die Schuld und die Not, die uns umgibt. Unser normales Erleben ist davon geprägt, Leid und Not zu vermeiden. Die letzten Monate haben uns das auf ganz besondere Art vor Augen geführt. Jedes Schutzkonzept, jede Sicherheits- oder Hygienevorschrift, jedes Hinweisschild, jede Coronaschutzverordnung erzählen davon. Alles soll helfen, Leben zu schützen. Und das ist gut und richtig so. Auch dann, wenn manche Vorschrift fragwürdig, oder zumindest überdenkenswert ist. Auch dann, wenn es viele gibt, die den Ernst der Situation verkennen, ja leugnen. Es ist wichtig, das Leben zu schützen. Und doch gibt es trotz allem so viel Dunkelheit und Angst, Leid und Not überall auf der Welt. Darum ist dieser Tag fast notwendiger als je zuvor. Denn es ist heilsam, sich wenigstens einmal im Jahr dieser Dunkelheit stellen. Auf das Leid der Welt und auf unser persönliches Leid zu blicken. Beispiel dafür gibt es genug um uns herum, ganz unabhängig davon, wie stark wir als Einzelne davon betroffen sind. Denn unsere Welt ist nicht heil.
Sie war es nicht, ist es gerade in dieser Zeit nicht. Und wann sie es einmal sein wird, weiß kein Mensch. Und das macht uns Angst. Mal mehr, mal weniger. Aber frei von jeglicher Angst, wer ist das schon?   Wir möchten doch eigentlich nur ein schönes, ruhiges Leben führen. Wir investieren Geld, Zeit und Energie, damit unser Leben möglichst reibungslos verläuft. Wir meiden Konflikte, wollen, dass wir und andere sich wohlfühlen. Wir erleben sie ja auch, diese Momente, von denen wir uns wünschen, sie mögen nie enden. Aber wir wissen auch, dass mit einem Schlag alles anders werden kann. Die Coronapandemie stellt uns das immer wieder vor Augen. Nein, die Welt, das Leben, sie sind nicht heil. Und ich bin jeden Tag gefordert, damit umzugehen. Und jede und jeder entwickelt ganz unterschiedliche Strategien, damit umzugehen. Ich stelle mich dagegen, jammere, behaupte, alles stimme nicht so, wie die anderen sagen. Ich stecke den Kopf in den Sand, schaue weg, horte Besitz, verschwende mein Geld. Ich werde aggressiv, tue anderen Gewalt an. Ich spüre die Angst unterzugehen, es schnürt mir die Kehle zu, kann nicht mehr atmen. Ich fühle mich klein und hilflos.
Unsere Welt ist nicht heil. Sie war es nie. Auch für Jesus nicht. Wenn wir in der Bibel lesen, was Jesus erlebt und erduldet hat, dann spüren wir etwas davon. Aber wir erfahren auch, dass er einen Weg gefunden hat, mit Schuld und dem Leid umzugehen. Jesus läuft vor Angst, Not und Leid nicht davon. Er stellt sich ihnen entgegen. Er zieht sich nicht zurück sondern stellt sich der Wirklichkeit. Er sieht, wie sehr Leid und Tod die Menschen gefangen nehmen. Aber er glaubt fest daran, dass es eine größere Kraft gibt. Eine Kraft die stärker ist als das Leid, sogar stärker als der Tod. Es ist der Glaube an Gott. Der Glaube an seinen Vater, der die Liebe will und für die Menschen das Leben. Denn der stärkste Ausdruck für das Leben der Menschen miteinander ist die Liebe. Und Gott hat diese Kraft zur Liebe allen Menschen gegeben. Und sie ist es, die Angst, Leid, Not, Schuld, Krankheit und Schmerz überwinden kann.
Unser Glaube an Jesus Christus nun lädt uns ein, auf ihn zu schauen.
Auf den, der im Vertrauen auf Gottes Liebe gelebt hat, ja dafür sogar gestorben ist. Jesus Christus hat das Leid auf sich genommen, um der Liebe Raum zu geben. Er zerbricht an der Gewalt der Welt und schenkt ihr und den Menschen so das Leben. Deshalb feiern wir Jahr für Jahr den Karfreitag und lassen uns von Jesu Leben und Sterben berühren. Denn im Kreuz Jesu sehen wir nicht nur Leid und Tod. Es zeigt uns auch eine Perspektive auf, die über das Leid und den Tod hinaus weist. Es zeigt uns, dass der Tod nicht das letzte Wort in unserem Leben hat. Es zeigt uns, dass wir uns nicht fatalistisch mit dem Leid im hier und jetzt abfinden müssen, sondern es – so paradox es klingt – gestalten und dadurch überwinden können. Darum ist das Kreuz für uns Christinnen und Christen nicht ein Zeichen des Todes, sondern es ist ein Symbol für das Leben. Weil Jesus, der Gekreuzigte, nicht im Grab blieb, können wir uns dem Kreuz stellen. Weil er gezeigt hat, dass im Kreuz das Leben stärker ist als der Tod, können wir uns mit dem Leid auseinandersetzen. Denn im Kreuz hat Jesus das Leid dieser Welt überwunden. In ihm hat das Leben über jede Gewalt gesiegt. Genau darum dürfen wir nicht aufhören, Hoffnung zu verkünden. Hoffnung, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Hoffnung, dass das Leben stärker ist, als alle Bedrängung und Unterdrückung. Stärker als alle Einschränkungen und Benachteiligung, alle Inhumanität und Unbarmherzigkeit. Darum ist der Karfreitag notwendig, weil er uns einen Raum eröffnet für die Hoffnung, die das Leid nicht verdrängt, sondern verwandelt. Deshalb schauen wir an diesem Tag auf den Mann am Kreuz im Vertrauen darauf, dass die Kraft der Liebe stärker ist als der Tod. Denn das Kreuz trägt in sich schon die Hoffnung, dass in Mitten der tiefsten Dunkelheit menschlichen Lebens Gottes österliches Licht aufstrahlt und nie mehr erlischt. Amen.

FÜRBITTEN

An unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten haben wir dein Wort gehört. Jetzt bringen wir unsere Bitten vor dich:
Für diese Welt, die immer wieder erschüttert wird durch Leid und Terror.
Für unsere Gesellschaft, die nun schon so lange durch das Coronavirus gelähmt wird. Unterschiedlich sind wir davon betroffen.
Hilf uns, denen die besonders betroffen sind beizustehen in Gebeten und Gedanken und dort wo es möglich ist auch in Wort und Tat.
Für alle, die einen Leidensweg vor sich haben, die nicht mehr aus, noch ein wissen.
Für die Menschen auf der Flucht und in Verfolgung, die ihre Heimat verloren haben.
Ermutige sie, trotz aller Ängste weiterzugehen und gib ihnen in uns hilfreiche Begleiter.
Für unsere Kinder und Jugendlichen, die plötzlich ihre Zukunft nicht mehr klar sehen können, weder im Kindergarten, noch in der Schule, in Ausbildung und Studium.
Für die Familien und die Alleinlebenden, die um ihre Existenz kämpfen, sich plötzlich Raum und Zeit teilen müssen und manchmal Ruhe benötigen.
Schenke ihnen Menschen, die ihnen gerade in diesen belasteten Zeiten zuhören, die ihnen Mut machen, sich anzunehmen, wie sie sind und nicht zu verzweifeln.
Für Menschen mit viel Lebenserfahrung, die Nähe und Sicherheiten brauchen.
Für Menschen in allen Lebensphasen, denen die Hoffnung auf Besserung verlorengegangen ist.
Hilf ihnen durch das Dunkel wieder ins Licht deiner Zukunft zu finden.
Für unsere Gemeinden in ökumenischer Geschwisterlichkeit in dieser Zeit der Passion.
Lass sie nicht in trügerischen Stimmungen und falschen Hoffnungen gefangen sein, sondern aus der Kraft des Kreuzes und dem Licht des Lebens auf Zukunft hin leben.

SEGEN

Im Zeichen des Kreuzes sind wir uns über alle Räume und Zeiten hinweg begegnet.
Im Zeichen des Kreuzes gehen wir nun auseinander.
Im Zeichen des Kreuzes segne uns Gott.
Er segne uns und die Menschen, an die wir denken.
Er segne diese Welt und gebe ihr Frieden.
Er erfülle uns mit seinem Wort und schenke uns allen einen Blick für seine Liebe.
Amen.

Wir wünschen einen gesegneten Tag, wann immer und wo immer wir gerade sein mögen!

 

GRÜNDONNERSTAG – 01.04.2021

Liebe Alle,

die Corona-Pandemie ist derzeit sehr präsent. Darum haben wir uns als Evangelische Kirchengemeinde entschlossen, unsere Gottesdienste an den Festtagen als Live-Gottesdienste zu feiern. Aber zum Schutze der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher und der Mitarbeitenden ohne Gemeindebeteiligung. Zudem können viele Menschen sich nicht vorstellen, einen „normalen“ oder „analogen“ Gottesdienst zu besuchen. Daher laden wir ein, unsere Gottesdienste zuhause zu feiern (die Texte stehen auch auf der Internetseite unter dANgeDACHT und weiter unten in dieser Mail) oder sich als “Fernsehgottesdienst” anzuschauen.

Auf die Glocken hören. Oder in die Stille lauschen. Kerze anzünden. Ankommen.
Manchen fällt das Leben grade leicht und es fällt vielen schwer und schwerer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts.
Sind beieinander an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.

Hier der Link zum Gottesdienst am Gründonnerstag: https://youtu.be/v5txV_YVmY0 (Youtu.be/v5txV_YVmY0)

EINSTIMMUNG

Es gibt Situationen, die wir zum ersten Mal erleben. Geschehnisse, wie nie zuvor. Geschehnisse wie die, mit denen wir nun schon über ein Jahr leben.
Es gibt Situationen, da erleben wir etwas zum letzten Mal. Geschehnisse, von denen wir es in dem Moment gar nicht wissen, dass es so ist. Geschehnisse, da ahnen wir nicht einmal, dass es das letzte Mal war. Zum Beispiel wenn wir Lebewohl sagen, uns verabschieden, oder ein Angehöriger stirbt. Wir wissen nie, wann oder ob es das letzte Lebewohl war.
Im Augenblick ist es auch so mit dem Abendmahl. Es ist Gründonnerstag! Der Tag, an dem wir uns daran erinnern, wie Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feierte. Das Abendmahl, das wir in unseren Gottesdiensten feiern, um uns daran zu erinnern und in der Begegnung mit Jesus Gottes Liebe zu erfahren. Aber wie lange ist das schon her?
Denn das Abendmahl, so wie wir es seit der Konfirmation kennen und viele es ganz selbstverständlich regelmäßig hier zusammen in der Kirche gefeiert haben; dieses Abendmahl hat es zu Coronazeiten bei uns nicht gegeben. Und wird es nach Corona so, wie früher, vermutlich auch nicht mehr geben. Und das schmerzt mich mehr und mehr. Ich erinnere mich an die letzte gemeinsame Abendmahlsfeier hier in der Kirche. Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden, die wir im vergangenen Jahr konfirmiert haben. Im kleinen Kreis, mit Abstand, jede und jeder seinen, ihren eigenen Kelch, die Hostie mit der Zuckerzange gereicht.
Es ist anders geworden und es wird weiter anders sein.
Ich wusste nicht, dass es das letzte Abendmahl für mich ist. Und habe es nicht einmal geahnt. Aber wer hätte denn zu Beginn der Pandemie gedacht, dass diese solche Auswirkungen haben wird?
Nicht, dass ich alles bei Abendmahlsfeiern gut finde. Wenn beim Reinigen des Kelchrandes Lippenstiftreste nicht weggehen, Krümel im Wein landen, oder Korken. Oder wenn, wie in anderen Gemeinden schon üblich, die  Einzelkelche mich an die letzte Runde in der Studentenkneipe erinnern, oder mal wieder die Hostien zusammenkleben. Trotzdem feiere ich gerne Abendmahl und bin auch immer wieder gerne zum Abendmahl gegangen. Und darum ist es umso wichtiger, sich an den Ursprung zu erinnern. An den Anlass, an die Worte, an die Geschichte. Das Abendmahl gehört für mich zum Christsein dazu. Oder vielmehr: gehörte. Denn seit September habe ich kein Abendmahl mehr gefeiert. Ich könnte es. Theoretisch! Sogar für mich alleine. Oder gemeinsam mit der Familie. Doch es kommt mir absurd vor, Abendmahl privat zu feiern. Allein. Denn zum Abendmahl gehört doch die Gemeinschaft. Seite an Seite mit der Gemeinde und mit Gott. Und ich befürchte, es wird vorerst nicht wieder so sein. Aber ich hoffe, dass ich mein letztes Abendmahl noch nicht gefeiert habe. Denn Gott lädt uns weiter zu sich ein. Er lädt uns ein in Jesus Christus.
Er lädt uns zu seinem Mahl, denn (Psalm 111, 4): Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.

BIBLISCHE LESUNG

Die Zeit der Passion ist eine Zeit der Erinnerung und der Buße. Wir werden daran erinnert, was Jesus damals erleiden und erdulden musste. Und wir sind aufgerufen darüber nachzudenken, was das für uns und unseren Lebensweg bedeutet. Dass wir uns besinnen, ob alles bleibt, oder wir andere, neue Wege gehen sollten. Uns und anderen zugute. Das Erinnern und das Besinnen können und sollen uns dazu verhelfen, uns und die Welt, die Wege, die wir gehen und die Wege, die wir gehen sollten, besser zu verstehen. Darum sollen wir nicht im Erinnern allein verharren, sondern durch das Erinnern die Zukunft eröffnen. Denn die Erinnerung bleibt der Schlüssel zur Zukunft. Das Lukasevangelium erinnert uns daran, was damals war (Lk 22,7-21):

Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm opfern musste. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir’s essen.  Sie aber fragten ihn: Wo willst du, dass wir’s bereiten? Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht, und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist die Herberge, in der ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?  Und er wird euch einen großen Saal zeigen, schön ausgelegt; dort bereitet das Mahl. Sie gingen hin und fanden’s, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm. Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch; denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!

Und Paulus zeigt im 1. Korintherbrief (1. Kor 11, 26), wie wichtig die Erinnerung an die Vergangenheit für das Leben in der Zukunft ist: Denn Christus ist wirklich gegenwärtig, indem er “erinnert” wird.

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

IMPULS

Jesus kommt nach Jerusalem. Mit seinen Jüngern will er das Passahmal feiern. Das Passamahl erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten. Auch Jesus und die Jünger, feiern dieses Erinnerungsmahl, wie es bei unseren jüdischen Schwestern und Brüdern bis heute geschieht. Und doch ist dieses letzte Mahl mit Jesus anders. Seine Worte beim Brechen des Brotes und Teilen des Kelches zeigen es an. „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Im Erinnern an die Befreiung gibt Jesus sich selbst hin. Er teilt sich aus, er verteilt sich in der Welt und in uns. Es bleibt ein Befreiungsfest. Aber es bekommt eine neue Bedeutung. In dem Jesus sich hingibt, befreit er uns von allem, was uns von Gott trennt. Er befreit uns von unserer Schuld. Und wenn wir Abendmahl feiern, erinnern wir uns daran und erfahren es jedes Mal neu leibhaftig.  Der Gründonnerstag ist der Tag, sich daran zu erinnern.
Aber diese Erinnerung und dieses besondere Fest der Befreiung können wir in diesem Jahr so nicht feiern. Die Umstände verbieten es. Der Altar ist nicht gedeckt mit dem Brot des Lebens und dem Kelch des Heils. Aber wenn wir zuhause essen und trinken, können wir uns an diese Geschichte erinnern. Ja, das ist anders. Und doch, dürfen wir immer ein Brot brechen und uns an die erinnern, die heute leiden, um die wir uns sorgen. Und wir können dabei auch an Jesus Christus denken, der sich für uns hingegeben hat. So können wir gestärkt auf das Osterfest zugehen, das so ganz anders sein wird. Und so gestärkt kommen wir auch durch die gegenwärtige Zeit der Krise.
Die Coronapandemie ist uns sehr präsent. Ein Ende nicht abzusehen. Daher regen wir an, auch so etwas, wie das Abendmahl zuhause zu feiern. Sicherlich ganz anders, als wir es in der Kirche gemeinsam tun. Aber dennoch eine Möglichkeit sich dessen zu erinnern, was das Abendmahl alles bedeutet. Und vielleicht hilft folgende Geschichte aus unbekannter Quelle:

An der Jakobstraße in Paris liegt ein Bäckerladen. Der Besitzer ist ein guter Bäcker. Aber nicht nur deshalb kaufen die Leute des Viertels dort in Scharen ihr Brot. Mehr noch ist es sein Vater, der die Leute anzieht. Der Alte ist ein spaßiger Kerl. Manche sagen, er hat einen Tick. Aber die meisten sagen, er sei weise und verstehe das Leben. Der alte Bäcker weiß, dass man Brot nicht nur zum Sattessen braucht. Und gerade das gefällt den Leuten. Manche ahnten davon, doch so richtig verstehen lernten sie es erst beim Bäcker in der Jakobstraße. Gérard zum Beispiel, der Omnibusfahrer. Als der einmal zufällig in den Laden kam, sprach ihn der Alte an: „Siehst bedrückt aus …“ „O ja, meine kleine Tochter“, antwortete Gérard, „sie ist gestern die Treppe runtergefallen und hat sich sehr weh getan.“ „Wie alt?“ fragte der Bäcker. „Vier!“, antwortete Gérard. „Wie heißt sie?“ „Anne Marie.“ Da nahm der alte Bäcker eine Stange Brot, brach es in zwei Stücke und gab dem Busfahrer eines davon. „Esse davon“, sagte er, „ich denk an euch!“ Der Busfahrer hatte so etwas noch nie erlebt. Aber was der Alte meinte, verstand er sofort. Und die Beiden aßen ihr Brotstück, schwiegen und dachten an das Kind im Krankenhaus. Plötzlich betrat eine Frau den Laden. Sie hatte aus dem Supermarkt zwei Tüten Milch geholt und brauchte noch Brot. Aber noch bevor sie etwas sagen konnte, reichte der Bäcker ihr ein Stückchen über die Theke und sagte: „Kommen Sie, essen Sie mit uns. Die kleine Tochter dieses Mannes liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Sie braucht unsere Gedanken“ Und die Frau verstand, nahm das Stückchen und aß mit den Beiden.

GEBET

Komm, Jesus, sei du unser Gast. – Sieh, was wir bringen, wer wir sind.
Sei du unser Gast und segne uns. – Mache müde Hände wieder stark, weiche Knie wieder fest.
Erhalte uns im Glauben, stärke unsere Hoffnung, mach uns fest in der Liebe.
Sei du unser Gast und mach uns zu deinen Gästen.

SEGEN

Gott, segne uns und die Menschen, an die wir denken. Er segne diese Welt und gebe ihr Frieden. Er erfülle uns mit seinem Wort und schenke uns allen einen Blick für seine Liebe. Amen.

Wir wünschen einen gesegneten Tag, wann immer und wo immer wir gerade sein mögen!